Warum sind es eigentlich immer Schriftstellerinnen, Journalisten oder andere Menschen mit Notizbuch, die in amerikanischen Filmen die Hauptrolle spielen? Vielleicht, weil sie ständig mit Geschichten jonglieren, dabei in allerlei Chaos geraten – und weil sich Herzschmerz und Happy End mit einem Stapel Manuskripten besonders unterhaltsam verbinden lassen. Hollywood weiß: Schreibende machen gute Figuren, auf der Leinwand ebenso wie im echten Leben.
Genau hier knüpft Monika Arend mit ihrem Roman Auszeit in die Liebe an. Ihre Protagonistin Julia Reuter ist eine erfolgreiche Autorin von Liebesromanen – beruflich mitten im Glück, privat jedoch längst desillusioniert. Männer? Abgehakt. Gefühle? Lieber zwischen zwei Buchdeckeln als im echten Leben. Der einzige Mann, der ihr geblieben ist, heißt Robert – ein Jugendfreund, der ihr treu zur Seite steht und von ihr liebevoll „Romeo“ genannt wird. Er ist kein Filmheld im klassischen Sinn, sondern eher der leise Begleiter, der da ist, wenn alles andere wankt.

Doch wie es so oft geschieht: Gerade wenn man glaubt, das Drehbuch des Lebens sei endgültig geschrieben, kommt eine überraschende Wendung. Julia stößt in den alten Tagebüchern ihrer Großmutter Marie auf Eintragungen, die sie neugierig machen. Spuren führen sie in das idyllische nordhessische Städtchen Fritzlar – ein Ort, der nicht nur historische Mauern und malerische Fachwerkhäuser zu bieten hat, sondern auch die perfekte Kulisse für einen Neuanfang.
Und so ist das Ende dieser Geschichte nicht einfach nur eine klassische Liebesromanze mit Herzklopfen und Happy End, sondern zugleich eine kleine Hommage an das Schreiben selbst. Denn wie in so vielen Hollywood-Filmen zeigt sich auch hier: Schreibende sind faszinierende Hauptfiguren – nicht, weil sie ein spektakuläres Leben voller Glamour führen, sondern weil sie das alltägliche Chaos in Geschichten verwandeln können. Zwischen Papierstapeln, angefangenen Manuskripten und leeren Kaffeetassen entstehen Welten, die größer sind als die Realität, und doch eng mit ihr verwoben bleiben.
Das eigene Leben / Erleben zum Thema eines Buches machen
Monika Arend greift genau dieses Spannungsfeld auf: Ihre Heldin Julia lebt in zwei Welten – in den Geschichten, die sie für andere erfindet, und in dem Leben, das sie selbst neu ordnen muss. Diese Doppelrolle macht sie verletzlich, nahbar und gleichzeitig spannend. Denn wer schreibt, kennt die Versuchung, die eigenen Erfahrungen zwischen den Zeilen zu verstecken, den Schmerz in Metaphern zu verwandeln oder die Sehnsucht in fiktive Figuren zu kleiden.
Für Leserinnen und Leser ist das ein doppelter Gewinn: Sie bekommen nicht nur eine warmherzige Geschichte erzählt, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen des Autorinnendaseins – mit all seinen Zweifeln, Hoffnungen und kleinen Alltagsdramen. Genau darin liegt der Charme dieses Romans: Er nimmt die scheinbar gewöhnlichen Momente – das Blättern in alten Tagebüchern, das Gespräch mit einem Freund, den Besuch in einer fremden Stadt – und zeigt, wie daraus ganze Lebenskapitel entstehen können.
Wer selbst schreibt, wird in diesem Buch möglicherweise eine Einladung erkennen, die eigene Tätigkeit einmal literarisch aufzugreifen. Schließlich steckt in jedem Schreibprozess mehr Drama, Witz und Romantik, als man auf den ersten Blick ahnt. Da ist das Flirten mit Ideen, das Scheitern an zu leeren Seiten, die Euphorie, wenn eine Figur lebendig wird – und das stille Glück, wenn Worte endlich den richtigen Ton treffen. Es sind genau diese Augenblicke, die zeigen: Die besten Geschichten entstehen nicht immer auf fernen Reisen oder in großen Abenteuern, sondern oft direkt vor unserer Nase – zwischen Schreibtisch, Tagebuch und einer dampfenden Tasse Kaffee.
Fazit:
Auszeit in die Liebe ist damit mehr als ein klassischer Liebesroman. Es ist ein Buch über zweite Chancen, über die Kraft echter Freundschaft – und über den Mut, das eigene Leben neu zu schreiben, sobald man merkt, dass das alte Drehbuch nicht mehr passt.
Bibliografische Angaben
Titel: Auszeit in die Liebe
Autorin: Monika Arend
ISBN: 978-3-96074-049-0
Seiten: 238
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